Libretto: Das eitle Stubenmädchen

Produktionsjahr: 1908-1910

Dieser Film ist charakteristisch für die Produktionen von Johann Schwarzer, gelernter Fotograf und Chemiker. 1906 gründet er in Wien die erste Filmproduktionsfirma Saturn-Films.  Die Kunsthistoriker haben lange versäumt zu betonen, dass die österreichische Filmbranche ihm ihre allerersten Streifen zu verdanken hat.  Hierbei sei allerdings erwähnt, dass Saturn sich einem nicht ganz „prestigereichen“ Genre gewidmet hat: dem Erotikfilm.

Wenn auch Schwarzer sich am Anfang seiner Karriere von den "Scènes Grivoises" (pikante Szenen) von Pathé inspirieren lässt, so dauert es nicht lange bis er seinen eigenen Stil kreiert, der sich europaweit bei Filmliebhabern als "Wiener Szenen" einen Namen macht. Schwarzer enthüllt immer etwas mehr Haut als seine Konkurrenten und es gelingt ihm dabei, nicht in die Pornographie abzudriften. Diese harmlos schlüpfrigen Filme sollen schließlich ein breites Publikum ansprechen.

Die Abendvorführungen werden als „Pikanter Herrenabend Film“ oder „Pariser Herrenabend Film“ angekündigt. Die Vorführung dieser kleinen schelmischen Filme wird oft begleitet von Bildern, die chirurgische Eingriffe sowie kuriose körperliche Missbildungen zeigen. Zu jener Zeit erfreut sich das Morbide und das Makabere des gleichen Publikums.

Die Firma Saturn lenkt schnell den Zorn der damaligen Behörden auf sich. Schon 1910 fordern manche Radikale von den Wiener Behörden ihre sofortige Schließung.  Katholische Verbände nutzen die Gelegenheit, um die Sittenlosigkeit der Lichtspieltheater anzuprangern. Nach einem Gerichtsbeschluss von 1911 wird der Großteil der Filme mit der Axt zerstört. Die Kataloge, Negative und Kopien erfahren das gleiche Schicksal. 

 

Den Erhalt dieser Filme verdanken wir Liebhabern des Genres, die einige Kopien retten konnten. Die meisten Saturn Filme stammen aus der Sammlung von Albert Fidelius, Sohn eines deutschen Verleihers, der 1933 anfängt ursprüngliche Filme zu sammeln. Die Sammlung wird 1950 von Gerhard Lamprecht, einem deutschen Regisseur, aufgekauft, der einige Jahre später die Stiftung Deutsche Kinemathek gründet.

 

Die Filme erkennt man an ihrem in jedem Bild gut sichtbarem Piktogramm wieder, das Markenzeichen der Saturn Produktionen. In den 1990er Jahren werden die Originale auf Nitrat-Trägermaterial (hauptsächlich die Negative) dem Filmarchiv Austria übertragen, wo sie fachgerecht restauriert werden.

 

Die Sammlung



Sehenswertes... droite gauche

Über den Film Temporal en Barcelona (atribuido) - Europa Film Treasures 1910 - Spanisch
Über den Film Femmes émancipées - Europa Film Treasures circa 1901 - Französisch
Über den Film Bo'ness Public School. Queen Kathleen Jamieson - Europa Film Treasures 1930 - Schottisch
Über den Film Once Upon a Tram - Europa Film Treasures 1958 - Irisch
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