Libretto: Beim Fotografen (zugeteilt)

Produktionsjahr: 1908-1910

Saturn ist die einzige europäische Produktionsfirma, die sich ausschließlich dem Erotikfilm gewidmet hat. Der österreichische Film verdankt ihr seine ersten Streifen.

 

Der Geschäftsführer Johann Schwarzer inszeniert klassische erotische Themen. Die Frau steht im Mittelpunkt des Interesses. In ihrer Intimsphäre ertappt, erstrahlt sie in Hemdchen und Negligés. Der Voyeurismus findet sehr oft seinen Ausdruck während der Bade- oder Poseszenen. Der Künstler, der mit seinem Modell zu Gange ist, gehört zu den unumgänglichen Szenen. Schwarzer inszeniert Situationen, die Fotografen, Bildhauer und Maler gut kennen. Es gibt auch Ausnahmen: In Conscriptio féminine sind es zum Beispiel die wagemutigen österreichisch-ungarischen Soldaten, die in nichts zurückstehen.

 

Mit ihrem Versandhauskatalog erlangt die Firma Saturn schnell europaweit einen hohen Bekanntheitsgrad. Die Geschäftsbedingungen lauten folgendermaßen: Versand nach Zahlungseingang. Der Käufer verpflichtet sich bei seiner Ehre, das Werk ausschließlich Volljährigen zu zeigen. Um einen Film in aller Diskretion geliefert zu bekommen, reicht ein einziger Vermerk auf dem Telegramm : Fotografen. Zensur verpflichtet !

 
Wenn auch am Anfang Schwarzer sich von den „Scènes Grivoises“ (pikante Szenen) von Pathé inspirieren ließ, dauerte es dann nicht lange bis er seinen eigenen Stil kreierte, der sich europaweit bei Filmliebhabern als „Wiener Szenen“ einen Namen machte.  Auch wenn Schwarzer immer etwas mehr Haut als seine Konkurrenten enthüllt, driftet er dabei nie in die Pornographie ab. Diese harmlos schlüpfrigen Filme sollten schließlich ein breites Publikum ansprechen.

 

Man zählt 52 Saturnfilme, von denen die meisten aus der Sammlung von Albert Fidelius aus Berlin stammen. Liebhaber des Genres konnten einige Kopien aus den Klauen der österreichischen Zensur retten. Albert Fidelius, Sohn eines deutschen Filmverleihers, fängt 1933 an, ursprüngliche Filme zu sammeln. Die Sammlung wird 1950 von Gerhard Lamprecht aufgekauft, einem deutschen Regisseur, der einige Jahre später die Stiftung Deutsche Kinemathek gründet.

 

Die Filme erkennt man an ihrem stets gut sichtbaren Piktogramm wieder, das Markenzeichen der Saturn Produktionen. In den 1990er Jahren werden die Originale auf Nitrat -Trägermaterial (hauptsächlich die Negative) dem Filmarchiv Austria übergeben, wo sie fachgerecht restauriert werden. 

 

Die Sammlung



Sehenswertes... droite gauche

Über den Film Les Bulles de savon vivantes - Europa Film Treasures 1906 - Französisch
Über den Film Symphonie bizarre - Europa Film Treasures 1909 - Französisch
Über den Film Rive del Nilo - Europa Film Treasures 1911 - Italienisch
Über den Film Le Avventure straordinarissime di Saturnino Farandola - Europa Film Treasures 1914 - Italienisch
Facebook