Libretto: El Sexto Sentido
(Der Sechste Sinn)




Der Künstler Nemesio Manuel Sobrevila (1889-1969) wird in der spanischen Filmbranche verteufelt. 1929 dreht er El Sexto Sentido (Der sechste Sinn), doch der Film gelangt nicht in den Verleih – vielleicht ist er zu modern.
Sobrevila hat einen eigenwilligen Geschmack. Er pflegt seine Vorliebe für Parodien auf historische Filme und für Filme, die stark von spanischer Folklore geprägt sind. Vor allem aber nimmt er sich mit seiner Kritik an Avant-Garde Filmen, wie denen von Luis Buñuel, nicht zurück. Seine Haltung führt zu starken Kontroversen innerhalb der spanischen Filmkunstbranche. Er geht sogar soweit zu behaupten, seine Filme seien „Après-Garde“ Filme.
Sein Ruf als Stiefkind der Filmkunst nimmt zu. Die Reportage mit dem Namen Las Maravillosas Curas del doctor Asuero (Die Wunderheilmittel des Doktor Asuero) wird 1929 zensiert und die Dreharbeiten zu Sancto Ignacio de Loyola werden unter dem Druck der Jesuitenmönche abgebrochen.
Der baskische Architekt aus Bilbao dreht El Sexto Sentido mit Laienschauspielern, die er mit einem reservierten Blick ins Licht rückt.
Sobrevila Werk ist ein gewagtes Nachdenken über den Ursprung und das Wesen der siebten Kunst. Im Verhältnis zur ursprünglichen Erzählform erscheint der Experimentalfilm wie ein neuer Weg, ein sechster Sinn wie die Kamera des Professor Kamus… Die Erzählstrukturen fallen in sich zusammen.
Nach diesem Film, den er allerdings als „ein Werk von geringerer Bedeutung“ abtut, versucht der Künstler schließlich mit Luis Buñuel zusammenzuarbeiten. Letzterer ist als Produzent bei Filmófono tätig und arbeitet gerade an dem Film La hija de Juan Simón. Schnell wird Sobrevila wegen seiner Akribie wieder entlassen. Er braucht zwei Wochen nur um zwei Szenen zu filmen! Dem Historiker Sanchez Vidal nach werden, sogar nachdem er die Studios verlassen haben wird, die von ihm ausgearbeiteten Kulissen für viele Filmofono-Produktionen noch benutzt.
Nach diesem Reinfall macht Sobrevila im vom Bürgerkrieg zerbissenen Spanien noch zwei Filme. Insbesondere produziert er 1937 nach den Bombardierungen einen Dokumentarfilm über die Kinder von Guernica (Guernica). Durch den Vormarsch Francos bedroht, sendet Sobrevila die Probekopien nach Paris, wo er zugleich untertaucht. Er wird jedoch rasch abgeschoben und geht nach Südamerika. Dort dreht er noch ein paar Filme und hört schließlich auf zu arbeiten. Nach dem Krieg kehrt er nach Spanien zurück, wo er 1969 stirbt.
Das Originalmaterial, das von der Filmoteca Española aufbewahrt wird, ist eine Kopie vom Negativ. Vermutlich wurde es 1961 anhand eines Nitratoriginals, das nach der Reproduktion zerstört wurde, dupliziert.
Die Originalmusik dieses Films wurde von Marc Perrone 2008 komponiert.











