Libretto: Prikliouchenia Kitaïtchat


(Die Abendteuer der kleinen Chinesen)
Produktionsjahr: 1928

In diesem schönen Stop-Motion Animationsfilm dienen Kunst und Technik der Propaganda.

 

Diese erste Reise zweier Kinder birgt eine geopolitische Unterrichtsstunde auf sowjetische Art. Den politischen Aspekt beiseite gelegt, sieht man einen Film mit unvergleichlicher Poesie, indem Lumpenpuppen ganz in Harmonie mit den Kulissen herumspazieren. Sie wirken wie ein ungebrochener Zauber. Hinter diesem Meisterwerk steckt Erfindungsgeist, der von Liebe zum Detail und Perfektion getragen wird.

 

Zur Animation

Diese Lumpenpuppen gehen aus dem Genre der „Kino-Marionetten“ hervor und erfreuen sich damals europaweit größter Beliebtheit. Maria Benderskaia, die uns völlig unbekannte Autorin von Prikliouchenia Kitaïtchat, hat sich den ideologischen Zwängen seiner Zeit unterworfen.

 

Ab 1919 untersteht der russische Film den kommunistischen Machthabern. Schon ab 1918 erfüllen die Filme ihren Propagandazweck. Während des Bürgerkrieges 1918 – 1920 werden die Wagons der Agitations-Züge zu Vorführsälen umfunktioniert und durchqueren ganz Russland. Sich der Macht der Bilder bewusst, möchte Lenin auf diese Weise Bauern und Arbeiter, die zum Großteil nicht lesen können, zum Bolschewismus bekehren. „Von allen Künsten ist die Filmkunst für uns die Wichtigste“, vertraut er 1922 Anatoliy Lunacharsky, dem ersten Volkskommissar für Bildung, an. Die Drehbücher unterliegen einer strengen Zensur.

 

Dieser Film widerspiegelt, welcher ideologischen Beeinflussung die Jugend unterworfen ist. Er nimmt typische dramaturgische Elemente aus der Welt der Kinder auf: die Angst vor dem ungerechten Erwachsenen, die Brüderlichkeit, die Lust die Welt zu entdecken. Die Animationstechnik der Stop-Motion macht ihn noch attraktiver.

 

Diese Kleinen Chinesen sind der Werke von Ladislav Starevitch (1882-1965), einem Meister des Genres; würdig. Im Gegensatz zum Autor, sind Ladislas et Irène Starevitch nach der bolschewistischen Revolution nach Frankreich geflüchtet. In den 20er Jahren drehen sie in regelmäßigen Abständen eine Unmenge kurzer Filme.

 

Ihre Filme, insbesondere die lange Verfilmung des Roman du Renart, sind so erfolgreich, dass sie 1932 vertont werden. Im selben Jahr enthüllen die Starevitch ihre Tricks in Comment naît et s’anime une marionnette (Wie entsteht eine Marionette und wie lässt sie sich animieren). Ihre Filme werden jedoch Jahrzehnte lang im Osten verboten sein.

 

Dieser Film stammt aus dem russischen und sowjetischen Fond der Sammlungen des Toulouser Filmarchivs.

 

Die Originalmusik dieses Films wurde von Marc Perrone 2008 komponiert.

 

Die Sammlung



Sehenswertes... droite gauche

Über den Film Pallesens radio - Europa Film Treasures 1915 - Dänisch
Über den Film Prica Jednog Dana - Europa Film Treasures 1941 - Serbisch
Über den Film Filmens Vovehals - Europa Film Treasures 1923 - Dänisch
Über den Film Von 6 bis 6 - Europa Film Treasures 1958 - Deutsch
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