Libretto: Marvo Movie




Jeff Keen (geboren 1923) besuchte im Alter von 37 Jahren die Kunsthochschule in Brighton. Als die Abteilung Film der Hochschule begründen sollte, wozu sie 8-mm-Filmausrüstung angeschafft hatte, diente Keen dies als Anstoß zur Produktion dieser hoch ästhetischen Filme, wobei unter anderem auch Spielzeug, Comics und auf einer Müllhalde gefundene Objekte zum Einsatz kamen. Charakteristisch für seine Arbeit als Filmemacher ist die Verbindung von Collage- und Performance-Elementen, woraus schließlich kunstvolle, wie gemalt wirkende filmische Kompositionen entstehen. Häufig finden sich in Keens Werk Anspielungen auf seine Zeit als Soldat im Zweiten Weltkrieg, auf die Popkultur und auf seinen Außenseiterstatus innerhalb der Kunstwelt.
Marvo Movie ist Keens erster 16-Millimeter-Film, abgedreht auf zwei 30-Meter-Filmrollen; er ist einerseits thematisches Experiment, gleichzeitig aber auch eine Studie der Strukturen dieses Mediums. Ursprünglich hatte Keen zwei Filme drehen wollen, doch kombinierte er später beide Filmrollen, um einen etwas längeren, abgerundeteren Film zeigen zu können. Üblicherweise wird das Werk zur „Trilogie“ von Jeff Keen gerechnet, zu der auch die Filme Cineblatz und White Light zählen.
In Zusammenarbeit mit dem Dichter Bob Cobbing, einem der Gründer der London Filmmaker’s Co-op, (einem Zusammenschluss von Filmschaffenden in London), entstand die abstrakte Filmmusik; die Vokalisierung ähnelt dabei dadaistischen Klanggedichten, bei denen Wörter sich in abstrakte Ausdrucksformen verwandeln; Ziel ist es, die instinktive Sinnsuche des Zuschauers zu unterlaufen. Auch Keens Frau, Freunde und weitere Künstler waren an der Entstehung des Films beteiligt.
Keens filmische Arbeiten entstanden während einer Blütezeit des Experimentalfilms in Großbritannien; die hauptsächlich staatliche Finanzierung erfolgte dabei durch den für Filmproduktionen zuständigen Ausschuss des Britischen Filminstituts BFI. Dieser war aus dem Experimental Film Fund des BFI hervorgegangen, der vor allem Experimentalfilme gefördert hatte.
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