Libretto: Les Allumettes fantaisistes
(Unterhaltsame Streichhölzer)



Vor dem Erscheinen eines tatsächlichen Werbefilms, bekommt Reklame in solchen Animationen, wie in diesem Film von 1912 für die Maryland Zigaretten, eine Plattform. Die Marke, die ganz diskret im Hintergrund erscheint, ist ein gutes Beispiel für das Genre in der damaligen Werbung.
Von 1908 bis 1923 macht Emile Courtet (1857-1938), auch Emile Cohl genannt, Pionier des Trickfilms und Schöpfer des bis heute bekannten ältesten Trickfilms auf Kinofilmrolle (Fantasmagorie, 1908) dreihundert Filme, von denen fünfundsechzig wiedergefunden wurden. Dieser treue Anwohner vom Montmartre Hügel in Paris, der abwechselnd Karikaturist, Zeichner, Schauspieler und Maler ist, nimmt an den Bewegungen teil, welche die Surrealisten beeinflussen werden, bevor er im Alter von fünfzig Jahren die Welt des Trickfilms für sich entdeckt.
Mit Bravour geht er mit Zeichnungen oder Streichhölzern, Scherenschnitten oder Marionetten um, und Cohl folgt somit dem Beispiel von Georges Méliès: er macht aus einem simplen Trick eine Kunst! Diese Unterhaltsame Streichhölzer sind die zweite Spur für seine Arbeit mit diesem Material, nach den Allumettes animées von 1909 für Gaumont. Er arbeitet ebenfalls für Lux, Pathé, Eclipse und Eclair, die ihn von 1912 bis 1914 nach Fort Lee in die USA schicken, um angesagte Comics zu animieren.
Cohl zeichnet an die dreißig sehr kurze Filme, in denen die Silhouetten im Laufe der Zeit immer einfacher werden, doch seine große Spezialität bleiben die sich transformierenden Zeichnungen, das heute so genannte „Morphing“, was sich im Film durch die Verwandlung der Zigarre zum Zeppelin widerspiegelt.
Während mit Beginn des Ersten Weltkriegs der französische Film seinem Niedergang entgegensieht, beendet Emile Cohl 1923 seine Arbeit als Regisseur. Nichtsdestoweniger arbeitet er weiter, insbesondere als privilegierter Berater der Firma DAE (Les Dessins animés européens, dt. Übersetzung: Die europäischen Zeichentrickfilme) von Joseph-Marie Lo Duca (1910-2004). Bis zu seinem Tode im Jahre 1938, stellt der Urvater des Zeichentrickfilms seine Genialität dem Film La Conquête de l'Angleterre zur Verfügung, der die Fortführung des einige Jahre zuvor erschienen Films La Découverte de l'Amérique von Mimma Indelli (1909 – 2002) werden sollte. Ein verheerender Brand des Studios im Jahre 1939 unterbricht die Produktion von La Conquête de l'Angleterre, von dem heute nur noch einige Meter Rohschnitte existieren: Der Abspann und eine Panoramaaufnahme eines von Cohl abgezeichneten Wandteppichs von Bayeux (sie werden von den Archives françaises du film, dem französischen Filmarchiv verwahrt).











