Libretto: Les Bulles de savon vivantes
(Lebende Seifenblasen)




Georges Méliès (1861-1938) beherrscht die Technik der Trickaufnahmen seit 1898. Ihre Entwicklung vollendet er zwischen 1902 und 1907, eine Zeit, in der er Genres, seine gesamten Tricks entwickelt und sich seine eigene Welt ausdenkt. In Les Bulles de savons vivantes (Lebende Seifenblasen) setzt Méliès, auf dem Höhepunkt seiner Kunst angelangt, seine eigens ausgedachten Zaubertricks, mit denen er experimentiert, für die Leinwand um. Er ist ein genialer Erbe des Vaters der modernen Zauberkunst, Jean-Eugène Robert-Houdin (1805-1871), dem fabelhaften Erbauer von Zauberautomaten.
Bevor er die Erfindung der Brüder Lumière im Jahre 1895 entdeckt, begeistert sich Méliès für die Kunst der Illusion, die er während eines Aufenthaltes in London beim Besuch der Egyptian Hall (1812-1903), einem der Magie von Maskelyne und Cook gewidmeten Theater, kennen lernt. 1888 setzt er seinen Traum um, und kauft das Théâtre Robert-Houdin. Mit diesem Theatersaal übernimmt Méliès die Geräte und Automaten, die vom alten Besitzer erfunden wurden. Zwanzig Jahre lang feiert dieser Saal unter seiner Leitung große Erfolge und gilt in französischen Magierkreisen als ein Muss. Alle Bestandteile der Künste, die Méliès Leidenschaft erwecken, sind dort vereint: das Bild, die Bühne und die Illusion!
Von der Zauberei zum Kino ist es nur ein Schritt. Diesen geht Méliès zusammen mit Antoine Lumière (1840 – 1911), der seine Neugierde anstachelt: „Sie, der alle Menschen mit seinen Zaubertricks verblüfft, sie werden etwas sehen, das sie wohl selber verblüffen könnte!“. So kommt es beim Ausprobieren der ganz jungen Erfindung der Brüder Lumière, dass Méliès zunächst seine eigenen Zauberkunststücke filmt. Rasch entwickelt er eine Serie von Techniken: Kamerastopp, Kollage, Doppelbelichtung. Sämtliche Tricks werden dadurch ermöglicht. Er verstärkt die Wirkung der Zauberei mit Hilfe von subtilen Schnitten, die auf wundersame Kollagen beruhen.
Méliès übernimmt in diesem Film gewisse Konstanten aus seinem Werk: Metamorphosen, Erscheinungen, plötzliches oder progressives Verschwinden… Über die mythischen Themen hinaus, wie hier das der Drei Grazien, greift er auf seine immer wiederkehrenden pyrotechnischen Effekte zurück, um beispielsweise die Erscheinung aus einer Rauchwolke heraus zu schaffen. Die Suche nach der perfekten Illusion wird zum Ziel an sich, das von der anbrechenden Ära des Kinos ermöglicht wird.










