Libretto: Le Martyre de la dactylo
(Das Martyrium der Schreibkraft)




Hier sehen wir ein komplett mannigfaltiges Werk. Dieser einige Minuten lange Werbespot beginnt mit einem Zeichentrickfilm und endet schließlich mit reellen Bildaufnahmen. Neben Odette und Lucette, den Star-Stenotypistinnen in dieser Werbung, inszeniert dieser Film noch zwei weitere Helden: die Kobolde Charles und Stone. Diese zwei Spaßvögel haben sich von den schelmischen Plick und Plock inspirieren lassen, den berühmten Zwergen des französischen Zeichners Georges Colomb (1856-1945), in Anlehnung an Columbus auch Christophe genannt, auch Vater der Famille Fenouillard. Komiker Widerwillen erheitern die Fenouillards, deren Missgeschicke ab 1893 in Form eines Comics in den Zeitungen erscheinen, die Franzosen. In ihnen sehen sie die Karikatur des ländlichen Kleinbürgertums. Ebenfalls sehr beliebt, vor allem bei den Kindern, sind die gemalten Dummheiten der zwei Kobolde Plick und Plock, die in der Zeitung "Le Petit Français illustré" zwischen 1893 und 1904 erscheinen.
Doch ist der wahre Star von Martyre de la dactylo kein anderer als der Flambo Stuhl! 1925 breitet sich die industrielle Revolution in ganz Frankreich aus und die Fabrikanten benötigen neues Mobiliar, um ihre Fabriken und Büros auszustatten. Sich brauchen nützliches, funktionales Werkzeug, das ihnen ermöglicht die Rentabilität ihrer Angestellten zu steigern. Der Franzose Henri Liber (1890-1970), Erfinder der Marke Flambo, beschließt sodann einen Stuhl auszuarbeiten, dessen Sitz- und Rückenteil zur Gewährleistung einer guten Haltung gänzlich verstellbar ist, um Rückenschmerzen vorzubeugen. Der so genannte „Monsieur Flambo“ – diesen Namen verdankt er seiner brillanten Erfindung (einer Lampe, die angeht, wenn man sie umdreht) – setzt sich umfangreich mit dem Los der Stenotypisten auseinander. „Eine Stenotypistin verbringt gut ein Drittel ihres Lebens auf einem Stuhl, ist es dann nicht gerecht ihr etwas Komfort zu bieten und ihre Bewegungen durch einen ihr angepassten Stuhl zu erleichtern?“ erklärt er geraume Zeit vor der Erfindung des berühmten M42 Stuhls, der den Erfolg der Gesellschaft gewährleisten wird. 1926 patentiert ist dieser Stuhl mit einem Kissen auf der Rückenlehne versehen, ermöglicht ein einfaches Wippen nach Vorne und kann einzeln oder in einer Reihe angebracht werden, da er auf Schienen montiert wird. Der M42 wird rasch zum unersetzlichen Stuhl für damalige Unternehmen.
Die Originalmusik dieses Films wurde von Xavier Bussy 2009 komponiert.











