Libretto: Christophe Colomb
(Christoph Kolumbus)




Ab 1896 markiert die Belle Epoque das Ende der Wirtschaftsdepression und den Anfang einer Expansionsperiode, die bis zum Vortag des Ersten Weltkriegs anhält. Frankreich, zweite Kolonialmacht der Welt nach dem Vereinigten Königreich, exponiert seinen Einfluss in Form von symbolträchtigen Veranstaltungen, wie sie die Welt- und Kolonialausstellungen darstellen. Verkündet wird dies auch im Film. Die Kolonialisierung wird als positiv gewertet. Wie in Christoph Kolumbus von 1904, wo der Indianer ganz verblüfft dargestellt wird. Dem Mythos des treudummen Wilden gerecht, empfängt er den zivilisierten Menschen fast schon als Retter.
Die ersten Jahre nach 1900 markieren den Wechsel vom Film als Kunsthandwerk zur Filmindustrie. Der Produktionsaufschwung ist mit dem Erfolg der Projektionen auf Jahrmärkten zu erklären, wo sie zur Hauptattraktion werden. Pathé Frères in Frankreich ist das erste Filmunternehmen weltweit bis Anfang der Jahre 1910. Dank der Standardisierung der Produktionsmittel, sieht die Firma der Bereicherung ihrer Kataloge entgegen, mit einer Vielfalt an Komödien- und Trickfilmen. Kleine Strukturen werden geschaffen und jeder Filmemacher, der fast immer Theatererfahrung vorweisen kann, spezialisiert sich in ein Thema.
Neben der Arbeitsteilung beim Film, die ab 1902 vorgenommen wird, zieht auch die Intensivierung der Produktion neue Berufe mit sich, wie der des Drehbuchautors. 1904, das Jahr, in dem Pathé zwei neue Studios erwirbt, wird Vincent Lorant-Heilbronn (1874-1912), bis dato Plakatgraphiker, Maler und Dekorateur, Regisseur. Die Leitung der Komparserie übernimmt Lucien Nonguet (1868-?), regelmäßiger Mitarbeiter von Lorant-Heilbronn, und dessen Film Wilhelm Tell ebenfalls auf Europa Film Treasures zu sehen ist.
Als Darstellung der Expedition von Christoph Kolumbus (1451-1506) wurde dieser Film im gleichen Jahr gedreht und fällt in die Kategorie „historische und politische Szenen und Aktualitäten. Militärszenen.“ der Sortierungsliste nach Genre der Firma Pathé zwischen 1903 und 1907. Der Pathé Stil wird hier durch eine dominierende statische Kulisse, vor der die Darsteller sich dem Publikum stolzierend zeigen, deutlich. Ihre quasi prahlerische Üppigkeit kulminiert in einem letzten Bühnenbild, das zu Recht den Namen „die Krönung“ erhält.
Die Originalmusik dieses Films wurde von Marc Perrone 2009 komponiert.
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