Libretto: La Commune
(Die Kommune)




La Commune (Die Kommune) erinnert an die Revolutionsregierung, die am 10. August 1792 die fran-zösische Monarchie stürzte. Nach der Niederlage von Napoléon III. gegenüber den Preußen waren die Pariser zwar erleichtert aufgrund des Endes der Belagerung und der Lebensmittelknappheit, fühlten sich aber von der neu gewählten Nationalversammlung verraten, voll von Monarchisten und den Frie-den favorisierend. Die Pariser hatten unter einer sehr harten Belagerung gelitten. Sie wollten nicht, dass die französischen Truppen die Kanonen von Paris einholten, und fürchteten, dass die Preußen, die in die Stadt eingedrungen waren, sich ihrer bemächtigen würden. Es begann eine Machtprobe zwischen Royalisten, Großbürgertum und konservativen Provinzbewohnern, die sich in Versailles zurückgezogen hatten und einen schnellen Frieden mit Deutschland wollten, auf der einen Seite und der schwer mitgenommenen Pariser Bevölkerung auf der anderen, die im Wesentlichen hervorgegangen war aus den Arbeitervierteln im Osten von Paris und mehrheitlich republikanisch eingestellt war.
Diese historische Rekonstruktion in La Commune wurde von den Archives françaises du film (franzö-sisches Filmarchiv) restauriert und ist einer der wenigen Filme, die von der Gesellschaft Le Cinéma du peuple (Kino des Volkes) produziert wurden, die von Henri Langlois (1914 – 1977) wiederentdeckt wurde. Diese Arbeitergenossenschaft für Filmproduktion wurde im Oktober 1913 von einer Gruppe Anarchisten gegründet und hatte es sich zur Aufgabe gemacht, das Elend des Proletariats darzustellen. Darüber hinaus liefert sie einen Vorgeschmack auf das aktivistische Kino, wie es später durch die „Groupe Octobre“ (Oktober-Gruppe) in den 30erJahren und von all den linksradikalen Filmkollekti-ven der späten 60er und 70er verkörpert wurde.
Noch im selben Jahr kontaktiert die Genossenschaft José Estivalis Cabo alias Armand Guerra (1886 – 1939), um ihm vorzuschlagen, Filme mit sozialem Charakter zu drehen. Mit der Unterstützung von Lucien Descaves (1861- 1949) beim Drehbuch sucht Armand Guerra sich für seinen zweiten Film ein symbolträchtiges Thema glühender Partisanen aus und dreht La Commune. Der Film rekonstruiert in statischen Einstellungen und mit abwechselnd Innen und Außenaufnahmen das Ereignis, welches in Paris eine aufständische Phase von rund zwei Monaten ausgelöst hat.
Trotz der dokumentarischen Einstellungen am Ende, die ehemalige Kommunarden, die Mur des Fédérés und ein Fahnentuch mit der Aufschrift „Es lebe die Kommune“ zeigen, bleibt der Film dem aktivistischen Zweck des Cinéma du peuple fern genug. Ohne wirklich Partei zu ergreifen, „spricht die gewählte historische Episode sich nicht wirklich zu Gunsten der Aufständischen aus“, wie es Laurent Mannoni anmerkte.* Nichtsdestotrotz bezeichnet dieser Film, dem aufgrund des Krieges eine Fortsetzung verwehrt blieb, einen bedeutenden Schritt in der Filmgeschichte und lässt überdies vorausschauen auf das zukünftige Kino der Volksfront.
Der große Krieg setzte dem Cinéma du Peuple ein definitives Ende. Sie produzierten insgesamt ein Dutzend Dokumentar und Spielfilme. Le Vieux docker (Der alte Hafenarbeiter), ein anderer Film von Armand Guerra, ist die letzte Produktion der Genossenschaft. Eine unvollständige Fassung wird in der Cinémathèque française (Französisches Filmarchiv) aufbewahrt.
Die Originalmusik dieses Films wurde von Marc Perrone 2009 komponiert.
* (wissenschaftlicher Leiter des Kulturerbes der Cinémathèque française), in „La persistance des images“, Edition La Cinémathèque Française, 1996.
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