Libretto: Guillaume Tell
(Wilhelm Tell)



Die ersten Jahre nach 1900 markieren den Wechsel vom Film als Kunsthandwerk zur Filmindustrie. Der Produktionsaufschwung ist mit dem Erfolg der Projektionen auf Jahrmärkten zu erklären, wo sie zur Hauptattraktion werden. Pathé Frères in Frankreich ist das erste Filmunternehmen weltweit bis Anfang der Jahre 1910. Dank der Standardisierung der Produktionsmittel, sieht die Firma der Bereicherung ihrer Kataloge entgegen, die von den Erfahrungen des Theaters schöpft, sich in ein Thema vertieft.
1902 entsteht diese Geschichte und reiht sich in das Genre der Firma Pathé ein, so wie Märchen- und Zauberwelten, dramatische und realistische Szenen und religiöse oder biblische Szenen. Filmemacher und Vertrauter von Charles Pathé (1863 – 1957) ist Ferdinand Zecca (1864 – 1947). Er engagiert Lucien Nonguet (1868-?), ehemaliger Regieassistent am Theater, um die Wochenschauen und die historischen Darstellungen zu drehen: wie Marie-Antoinette (1904) oder Cuirassé Potemkine (1905), nicht zu verwechseln mit dem berühmten Film des Russen Sergueï Eisenstein (1898–1948), der zwanzig Jahre später gedreht wurde.
Als treuer Mitarbeiter sorgt Lorant Heilbronn (1874–1912), dessen Film Christoph Kolumbus, oft für die Umsetzung der Filmkulissen von Nonguet. Die Kulisse ist ein wichtiger Bestandteil der ersten Filmproduktionen und das Studio bietet dafür den notwendigen Platz. Zudem verlangt die schwache Lichtempfindlichkeit der Filme nach Lichtbedingungen, die nur ein Studio erfüllen kann. Im Sinne von Méliès (1867–1938), der in Montreuil das erste richtige Filmstudio baut, vervielfältigen sich diese „Lichtfallen“ weltweit und sind mit dem notwendigen Werkzeug und einer maximalen Beleuchtung ausgestattet.
Der Film übernimmt die Möglichkeiten des Theaters: nutzt bemalte Leinwände und Trompe-l’oeil als Kulisseneffekte, die eine Illusion von Relief schaffen. Die Kulisse des Sees in Wilhelm Tell ist hierfür ein gutes Beispiel, wie es die Beschreibung von Gaston Dumesnil attestiert, einer der Pioniere des Bühnenbildes für das Haus Pathé in Vincennes: „die Kulisse des Sees besteht aus einem kleinen Bassin, dessen Wasserwogen durch einen technischen Assistenten gemacht werden. Es wurde vor einen gemalten Hintergrund gesetzt, umrahmt von Bühnenbildern, die den Eindruck von Tiefe simulieren.“*
Die Originalmusik dieses Films wurde von Marc Perrone 2009 komponiert.
*Jean-Pierre Berthomé, Le Décor au cinéma, Verlag : Cahiers du Cinéma, Paris, 2003.










