Der Erhalt der Filme
Der fotochemische Film ist ein vergängliches Trägermaterial und das audiovisuelle Kulturerbe ist in Gefahr. Die Geschichte des bewegten Films liest sich, was zahlreiche Werke anbelangt, wie eine lange Liste auf einer Traueranzeige, wobei nicht mal alle Namen der Opfer bekannt sind, so unklar ist das genaue Ausmaß der Verluste. Diese hängen von mehreren Faktoren ab, darunter an erster Stelle von einer Filmindustrie, die nicht wusste wie die als „ramponiert“ eingestuften Filme erhalten werden sollten oder dies aus wirtschaftlichen Gründen nicht wollten. Manche Klassifizierung nach ästhetischen oder historischen Gesichtspunkten hat auch nicht immer dazu beigetragen, dass Filme, für die sowieso kaum Interesse bestand, erhalten werden (wie zum Beispiel der institutionelle Film).
![]() Le Cauchemar, Georges Méliès, 1896
Zersetzter Film
Eine große Anzahl von Filmen ist seit der Entstehung des Kinos verschwunden. Man schätzt, dass 50 % der Filme von vor 1950 nicht mehr auffindbar sind. Das bekannteste Beispiel hierfür ist sicherlich die Filmographie von Georges Méliès. Von den in 16 Jahren mehr als 500 gedrehten Filmen (zwischen 1896 und 1912), konnten 2008 lediglich 40% der Titel (sprich ca. 200) als gerettet bezeichnet werden. Als Aufnahmetechnik für Bilder ist der Film in erster Linie ein Trägermaterial, das bei jeder Beanspruchung Schaden nimmt. Dabei stehen die „mechanischen“ Ursachen bei der Beschädigung der Filme (Probleme beim Kleben der Filme, Kratzer, ausgeleierte Perforationen usw.) an erster Stelle. Die Hauptursache jedoch ist in seiner chemischen Instabilität zu begründen. Das Trägermaterial Film besteht aus einem durchsichtigen Material auf dem eine Emulsion (manchmal spricht man von „Gelatine“) liegt, die das Bild des Films ausmacht. Sowohl der Träger als auch das Bild sind aufgrund ihrer chemischen Empfindlichkeit anfällig für Verfall. Aufgrund dieser Tatsache ist der Erhalt eines Films größtenteils abhängig von den Lagerungsbedingungen, insbesondere von der Luftfeuchtigkeit oder der Temperatur. |
Vergängliches Trägermaterial
Bis dato gab es hauptsächlich drei Trägermaterialen für den fotochemischen Film: Nitrat, Acetat und schließlich PET-Polyester.
Das erste Trägermaterial, das 1887 von Hannibal Goodwin erfunden wurde, bestand aus Zellulosennitrat und wurde in Frankreich auch „film flamme“ (in Anspielung auf das leicht entflammbare Material) genannt.
Nitrat als Trägermaterial bereitete sowohl bei seiner Konservierung als auch bei seiner Nutzung Probleme, bis es um 1953 offiziell dem 35mm Format wich. Gefährlich in der Handhabung ist es aufgrund eines seiner Inhaltsstoffe: der „Nitrozellulose“, die auch Bestandteil von Sprengstoffen wie TNT (dem Trinitrotoluol) ist. Seine Zersetzung ist unaufhaltsam. Zunächst wird es brüchig, dann verfärbt sich die Emulsion braun, der Film läuft ein (man spricht hier von „Retraktion“), was beim Kontaktabzug (d.h. eine Kopie ziehen) gravierende Probleme bereiten kann. Der Film wird trocken, klebrig und brüchig, bis er schließlich zu Staub zerfällt.
Bis dato gab es hauptsächlich drei Trägermaterialen für den fotochemischen Film: Nitrat, Acetat und schließlich PET-Polyester.
Das erste Trägermaterial, das 1887 von Hannibal Goodwin erfunden wurde, bestand aus Zellulosennitrat und wurde in Frankreich auch „film flamme“ (in Anspielung auf das leicht entflammbare Material) genannt.
Nitrat als Trägermaterial bereitete sowohl bei seiner Konservierung als auch bei seiner Nutzung Probleme, bis es um 1953 offiziell dem 35mm Format wich. Gefährlich in der Handhabung ist es aufgrund eines seiner Inhaltsstoffe: der „Nitrozellulose“, die auch Bestandteil von Sprengstoffen wie TNT (dem Trinitrotoluol) ist. Seine Zersetzung ist unaufhaltsam. Zunächst wird es brüchig, dann verfärbt sich die Emulsion braun, der Film läuft ein (man spricht hier von „Retraktion“), was beim Kontaktabzug (d.h. eine Kopie ziehen) gravierende Probleme bereiten kann. Der Film wird trocken, klebrig und brüchig, bis er schließlich zu Staub zerfällt.
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Heutzutage findet man überraschenderweise noch Filme aus der frühen Nitrat-Ära, die sich in relativ gutem Zustand befinden, und das obwohl man beim Nitratfilm von einer „durchschnittlichen“ Haltbarkeit von 50 Jahren spricht. In einigen Ländern, darunter Frankreich, wurde eine groß angelegte Aktion zum Austausch des Nitratfilms zugunsten von Polyester als Trägermaterial durchgeführt. |
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Ab 1953 geht der 35 mm Film (wie die Schmalfilmformate Jahrzehnte zuvor) über zu Acetat als Trägermaterial (bis 1957 Zellulosediacetat und schließlich Zellulosetriacetat). Wenngleich sich bei seiner Handhabung keine Gefahren verbergen (daher seine Qualitätsbezeichnung als „Safety Film“*), entwickelt dieses Trägermaterial leider bei schlechter Lagerung ein sogenanntes „Essigsäuresyndrom“. Dieser Prozess beginnt durch eine konstante Zunahme des Säuregehalts des Films, die beim Erreichen des „autokatalytischen“ Punktes beschleunigt wird, und zu seiner schnellen Zerstörung führt.
Lange Zeit wurde die Existenz des „Essigsäuresyndroms“ ignoriert oder heruntergespielt, und dies obwohl es bei dem Trägermaterial auftritt, das in den Filmarchiven dieser Welt am häufigsten vorkommt. Riesige Lager von Acetatfilmen sind somit ziemlich kurzfristig vom Zerfall bedroht, die ausgenommen, die schon seit längerem unter idealen Bedingungen aufbewahrt werden. In diesen Fällen geht man davon aus, dass sich das Trägermaterial bis zu 300 Jahren konservieren ließe.
Zu guter Letzt kam ein drittes Trägermaterial zum Einsatz: PET-Polyester. Obgleich schon 1945 erfunden, brauchte es einige Zeit bis es weitläufig verwendet wurde. Nach seinem Einsatz im Bereich des Amateurfilms, dann bei den Internegativen und Filmvorschauen, wurde Polyester für alle Kopien ab Mitte der 1990er Jahre verwendet.
Obwohl es nicht perfekt ist und heute vom Digitalfilm verdrängt wird, ist Polyester die erste Wahl der Filmindustrie. Es ist bei einer sachgemäßen Aufbewahrung das zurzeit langlebigste Trägermaterial, um Filme langfristig zu konservieren (man spricht sogar von einer Haltbarkeit von 500 bis 1000 Jahren).
Lange Zeit wurde die Existenz des „Essigsäuresyndroms“ ignoriert oder heruntergespielt, und dies obwohl es bei dem Trägermaterial auftritt, das in den Filmarchiven dieser Welt am häufigsten vorkommt. Riesige Lager von Acetatfilmen sind somit ziemlich kurzfristig vom Zerfall bedroht, die ausgenommen, die schon seit längerem unter idealen Bedingungen aufbewahrt werden. In diesen Fällen geht man davon aus, dass sich das Trägermaterial bis zu 300 Jahren konservieren ließe.
Zu guter Letzt kam ein drittes Trägermaterial zum Einsatz: PET-Polyester. Obgleich schon 1945 erfunden, brauchte es einige Zeit bis es weitläufig verwendet wurde. Nach seinem Einsatz im Bereich des Amateurfilms, dann bei den Internegativen und Filmvorschauen, wurde Polyester für alle Kopien ab Mitte der 1990er Jahre verwendet.
Obwohl es nicht perfekt ist und heute vom Digitalfilm verdrängt wird, ist Polyester die erste Wahl der Filmindustrie. Es ist bei einer sachgemäßen Aufbewahrung das zurzeit langlebigste Trägermaterial, um Filme langfristig zu konservieren (man spricht sogar von einer Haltbarkeit von 500 bis 1000 Jahren).
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Tatsächlich existiert noch kein anderes Trägermaterial, das der Gemeinschaft der Filmarchive eine Konservierung der Filme mit Sicherheit auf lange Sicht garantieren kann. Heutzutage benötigen alle Filme, auch die 100% digitalen in Hochauflösung, eine „Rückkehr“ zum 35mm PET-Polyester Film (obgleich dies aus wirtschaftlichen Gründen nicht unbedingt verwirklicht wird). Außerdem kann ein Film, unabhängig von seinem Trägermaterial, zum Opfer biologischer oder chemischer externer Prozesse werden (Verschmutzung, Staub, usw.), die das Trägermaterial an sich oder auch das Bild beschädigen können. Die Notwendigkeit besteht also den Film vor solchen Gefahren zu schützen. |
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Ein empfindliches Bild
Der technischen Vorgehensweise bei der Herstellung der Bildemulsion kommt eine große Bedeutung zu, denn manche Technologien ermöglichen eine höhere Lebensdauer als andere.Seit den Anfängen des Kinos gab es zahlreiche Emulsionstypen und Techniken, insbesondere was den Farbfilm anbelangt: von 1897, wo Kopien mit der Hand koloriert wurden (Bild für Bild), bis hin zu unserer Zeit, wo kürzlich die neuesten und besonders feinkörnigen Emulsionen auf den Markt gebracht wurden. Es sei vermerkt, dass der schwarzweiß Film, oder „monochrome“ Film (wenn auch getönt), eine durchaus weniger komplexe Chemie aufweist als der Farbfilm, und somit weniger Konservierungsprobleme verursacht.
Der technischen Vorgehensweise bei der Herstellung der Bildemulsion kommt eine große Bedeutung zu, denn manche Technologien ermöglichen eine höhere Lebensdauer als andere.Seit den Anfängen des Kinos gab es zahlreiche Emulsionstypen und Techniken, insbesondere was den Farbfilm anbelangt: von 1897, wo Kopien mit der Hand koloriert wurden (Bild für Bild), bis hin zu unserer Zeit, wo kürzlich die neuesten und besonders feinkörnigen Emulsionen auf den Markt gebracht wurden. Es sei vermerkt, dass der schwarzweiß Film, oder „monochrome“ Film (wenn auch getönt), eine durchaus weniger komplexe Chemie aufweist als der Farbfilm, und somit weniger Konservierungsprobleme verursacht.
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Farfale, 1907,
Handkoloriert |
Croisière en Méditerranée
1950, Kodachrome |
La Grande Revue Philips,
1938, Technicolor |
Anatole à la Tour de Nesle,
1947, Agfacolor |
Seit dem Jahre 1928 gab es so genannte chromogene Farbfilmtechnologien, bei denen die Farben erst im Entwicklungsverlauf entstehen, im Monopack (d.h. ein Film aus einem einzigen Stück). Ein Beispiel ist das Kodacolor und das berühmte Kodachrome, welches sich gut konservieren lässt. Doch solche Inversionstechniken (wenn der Film sein eigenes Negativ ist, das entwickelt werden muss) waren hauptsächlich für Amateure bestimmt.
Das Verfahren „Technicolor Nr. 4“ trichrome wurde von Dr. Kalmus ab 1932 entwickelt. Er verwendete ein revolutionäres Herstellungsverfahren, das langfristig einen sehr guten Erhalt der Bilder mit sich führte.
Erst durch das 1939 in Deutschland von Dr. Fischer entwickelte Verfahren „Neue Agfa-color“, war es möglich die Entwicklung mehrerer Kopien anhand eines einzigen Films („Monopack“) zu ermöglichen. Diese Technologie ist bis zum heutigen Tage die Basis aller modernen Filme. Leider verändern sich die Farben im Laufe der Jahre allmählich. Noch lange nach Herstellung des Films werden von den Emulsionskomponenten chemische Prozesse ausgelöst, was zu einem langsamen Zerfall der Farben führt, und sich in der Regel durch eine „Verfärbung“ der Kopien ins Rötliche (die anderen Farbstoffe verlieren an Intensität) bemerkbar macht.
Es scheint, als seien die zwischen 1960 und 1975 hergestellten Kopien besonders davon betroffen. Tatsächlich ist es so, dass sogar die neueste Kopie ab dem Tag ihrer Herstellung fast unmerklich beginnt sich zu verfärben. Die oben genannten Beeinträchtigungen können manchmal auch der Grund für optische Fehler sein (bei der Schärfe, dem Kontrast, usw.).
Fachgerechte Lagerung
Eine kalte und trockene Lagerung bietet den Filmen ideale Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsbedingungen. Bestenfalls müsste für Farbfilme eine Temperatur zwischen 3 und 8°C herrschen, auch wenn 11°C für schwarzweiß Filme auszureichen scheint. Das Schweizer Filmarchiv gibt an, dass bei 20% Luftfeuchtigkeit und 4°C die Kopien 800 Jahre halten sollen. Mindestens sollte eine Luftfeuchtigkeit von 50% (+/-10%) einhalten werden, im Idealfall 30/40%.
Ein großes Volumen an Lagerbeständen auf 3°C herunterzukühlen ist natürlich sehr kostspielig und nur sehr wenige Archive können sich das finanziell leisten. Dennoch konnten viele Archive in den letzten Jahren hier große Fortschritte erzielen.
Eine kalte und trockene Lagerung bietet den Filmen ideale Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsbedingungen. Bestenfalls müsste für Farbfilme eine Temperatur zwischen 3 und 8°C herrschen, auch wenn 11°C für schwarzweiß Filme auszureichen scheint. Das Schweizer Filmarchiv gibt an, dass bei 20% Luftfeuchtigkeit und 4°C die Kopien 800 Jahre halten sollen. Mindestens sollte eine Luftfeuchtigkeit von 50% (+/-10%) einhalten werden, im Idealfall 30/40%.
Ein großes Volumen an Lagerbeständen auf 3°C herunterzukühlen ist natürlich sehr kostspielig und nur sehr wenige Archive können sich das finanziell leisten. Dennoch konnten viele Archive in den letzten Jahren hier große Fortschritte erzielen.
*sicher
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